Mittwoch, 20. März 2013

Dirndlschubsen? Nicht bei uns!

Was sich das Qualitätsfernsehen von uns wünscht



Vor Kurzem bekam ich über die üblichen touristischen Kanäle ein Rundschreiben an "Leistungsträger". Gesucht werden Gemeinden und Betriebe, die besondere Veranstaltungen für eine Sonderreihe des Bayerischen Fernsehen liefen könnten. Die Reihe heißt - und das klingt erst mal ganz harmlos - "Bayern feiern - Reportagen über die bayerische Lebensfreude".

Schaut man jedoch genauer auf den weiter geleiteten Aufruf, handelt es sich nicht um einen des Bayerischen Rundfunks (BR) selbst, sondern von einer "Produktionsfirma". Wenn man sich die gewünschten Themen genauer durch liest, wird einem schon klar, warum der BR hier nicht selbst recherchiert:

"Gaudi: Bürostuhlrennen, Dirndlschubsen, Goldgräberfest, Maibaumkraxel-Wettbewerb, Bierfassroll-EM, Kürbisfest, Steinheber-WM, Rasenmäherrennen; Musik und Tanz: Gstanzl-Slam, Almsingen auf der Zugspitze, Brunnensängerfest, Jodelwettbewerb, Sambafestival Coburg, tanzende Bollywood-Kids; Essen: Pichelsteiner-Eintopf-Fest, Käsefestival, Bratwurstfest, Weinfest im beleuchteten Weinberg"


Nichts gegen Käsefestival und beleuchtete Weinberge, aber mit manch anderen Vorschlag war die Anfrage für mich sofort als, sagen wir mal "nicht sonderlich seriös und schon gar nicht erstrebenswert" sofort vom Tisch. Ich löschte bzw. archivierte die Nachricht ohne groß weiter darüber nach zu denken.

Die Vorsitzende unseres Tourismusvereins FWK (Fränkisches Wein- und Kulturland der Gemeinde Kolitzheim e.V.) bat mich jedoch kürzlich die Nachricht, die auch sie erhalten hatte, an die Mitglieder des Vereins zu senden, was ich auch pflichtbewusst tat. Soll halt jede/r selbst entscheiden, was er/sie mit solch einem Mist anfängt. Ach ja, ich vergaß zu erwähnen: Nur wirklich "aussergewöhnliche" Veranstaltungen wie ein Fingerhakl-Wettbewerb dürfen auch ausnahmsweise mal in einem Festzelt stattfinden, denn für die sommerliche Sendung soll wohl so viel wie möglich im Freien aufgezeichnet werden…

Ich tat also meine Pflicht und bekam sogar eine "positive" Rückmeldung (ich bat die entsprechende Person sich direkt an die Produktionsgesellschaft zu wenden). Ich bekam aber auch eine kritische Reaktion von einem anderen Vereinsmitglied, das mir schrieb:

“Na ja, wenn man sich die Anfrage des Rundfunks durchliest: da haben wir ja rein gar nichts zu bieten. Weil wir auch so was Niveauloses nicht machen. Bürostuhlrennen, Dirndlschubsen, Pichlsteiner Eintopffest - dass ich nicht kotze. Und 300 Leute sollen sich den Schmarrn vor Ort für die Aufzeichnung ansehen? Da sollte sich auch der FWK zu schade sein.”


Wer das mutige und weise Mitglied ist, das mir wagt so offenmutig und kritisch zu schreiben? Meine eigene Mutter! Sie hat recht. Das ist Mist. Und ich hoffe, dass wir uns in unserer kleinen Weinbaugemeinde mit mehr und interessanterem als "Dirndlschubsen" noch beweisen können. Vor allem wenn das öffentlich-rechtliche Qualitätsfernsehen Bayerischer Rundfunk im Spiel ist.