Donnerstag, 11. Juli 2013

Das Schlossblog ist umgezogen

Sonnenuhr im Kräutergarten des Schlosses

Wer es noch nicht mitbekommen haben sollte: Das Schlossblog ist Ende Mai 2013 umgezogen. Es "wohnt" jetzt zuhause bei barockschloss.de.

Folgende Beiträge habt Ihr verpasst, wenn Ihr den Umzug noch nicht mitgemacht habt (durch Abonnieren des neuen RSS Feeds dort oder das E-Mail Abo über das Formular oben rechts im Blog):

http://barockschloss.de/blog/

Donnerstag, 30. Mai 2013

Was lange währt...

Sechs Jahre residiert das Schlossblog nun schon hier auf Blogger. Über 109.000 Seitenaufrufe hat es hier schon gegeben. Und mindestens so lange besteht auch schon der Wunsch auch der Internetseite des Schlosses, die anfangs von meiner Schwester Cornelia 1998 in Eigenarbeit erstellt und später von mir gepflegt wurde, ein neues, professionelleres Gesicht zu verpassen. Lange habe ich diesen Schritt vor mir her getragen.

Inzwischen ist durch entsprechendes Know-How (Dank meines Freundes Floh, dessen Expertise man bei kunkelundkohl.de auch käuflich erwerben kann) und dem Vorhandensein einiger Werkzeuge, die einen solchen Umzug erleichtern, der Durchbruch gelungen: Es ist vollbracht!

Die Seite des Schlosses - barockschloss.de - hat seit letzter Nacht (ca. 3 Uhr morgens) ein neues Gesicht. Damit ist auch das Schlossblog dorthin umgezogen.

Ich werde die alten Beiträge hier belassen und neue einfach unter barockschloss.de einstellen. Wer also weiterhin informiert sein möchte, ziehe am besten mit um.

Für alle, die die Hoffnung an diesen Relaunch bereits aufgegeben hatten: So ein Barockschloss ist (sogar noch mehr als Wein) eben ein "slow" Produkt. Gut Ding will eben Weile haben. Jetzt geht es aber los…

Links:

barockschloss.de

Schlossblog

kunkelundkohl.de

Montag, 27. Mai 2013

Händlernomaden

Foto: Hanna Rauber

Foto: Hanna Rauber

Beitrag von Marina von Halem:

Vor einigen Jahren besuchte ich die Schreibwerkstatt von Jürgen vom Scheidt in München. Sein Spezialgebiet war: Schreibblockaden auflösen. Das war zwar nicht mein Problem. Ich wollte mich nur einfach ein Wochenende lang dem ungestörten Schreiben unter den Augen eines Lehrers aussetzen. Was ich schrieb, weiß ich nicht mehr. Aber ich lernte Hanna Rauber kennen. Die war ein Jahr lang als Ethnologin bei einem Nomadenstamm in Nepal gewesen zu Feldstudien, aber nach der Heimkehr gelang es ihr nicht, aus ihren Notizen ein lesbares Buch zu machen. Schreibblockade!

Sympathie und gemeinsame Erfahrungen im Norden von Pakistan und Indien verbanden uns. Später - sie konnte ihre Erlebnisse und Forschungsergebnisse noch immer nicht zu Papier bringen - korrespondierten wir, stellten fest, daß wir beide Rosenfreundinnen waren, sie kam mich auch in Zeilitzheim besuchen und arbeitete zu ihrer und meiner Freude beim Pflegen der Rosen.

Noch später - im Winter vor einem Jahr - erhielt ich von ihr zwei Reiser, die ein Gärtner-Freund für sie durch Aufpfropfen von einer Lieblingsrose aus dem Tessin veredelt hatte. Die zwei Rosen sind nun
in meinem Garten und tragen ihren Namen. Eines Tages teilte sie mir mit, daß sie einen Vortrag an dem berühmten Völkerkundemuseum in Zürich gehalten hatte: "Die Humli-Khympa nennen sich neu Bhote-Khampa". Im Jahr 2010 war sie ein Jahr lang mit Händlernomaden von Far West Nepal (so heißt die Region offiziell) von der indischen Grenze über den Himalaya an die tibetische Grenze gewandert, um die Veränderungen von Wirtschaft und Gesellschaft seit ihrem ersten Besuch 1977 in Wort und Bild darzustellen.

Natürlich musste ich Hanna fragen, ob sie diesen Vortrag auch in Zeilitzheim halten würde. Nepal war mir etwas bekannt von einer Reise von Pakistan aus. (In Pakistan lebten und arbeiteten wir von 1968 - 1975 und reisten, so viel wir konnten, in alle benachbarten Länder, die man damals noch nicht durch Fernsehsendungen kannte. Kulturschock pur, Erlebnisse und Eindrücke umwerfend!).

Nun ist es so weit. Am Freitag, 7. Juni 2013 wird Hanna ihren Vortrag in Zeilitzheim halten. In Fotos von 1977 und 2010 stellt Hanna Rauber diesen Wandel von der traditionellen zur heutigen Gesellschaft dar. Zwei Personen lässt sie selbst zu Wort kommen: Phulamo und Dil Bahadur. Es sind atemberaubende
Bilder!

Als Abendessen nach dem Vortrag koche ich ein traditionelles nepalesisches Essen: dal bhaat und tarkani, das sind rote Linsen und ein Gemüsecurry. Solche Gerichte kenne ich aus Pakistan und Indien, aber sie sind über den ganzen Himalaya verbreitet. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Hanna und mit Freunden, die sich für dieses Thema interessieren.

Links:

Jürgen vom Scheidt (Wikipedia) http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_vom_Scheidt

Far-West Nepal (Wikipedia) http://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungsregion_Fernwest_(Nepal)

Mittwoch, 15. Mai 2013

Alles VOLX-Müller, oder was?

In den Weinbergen Stammheims

Der Fränkische Weinbauverband feiert dieses Jahr den Geburtstag einer in Franken typischen Rebsortenzüchtung: Der Müller-Thurgau. Die Rebsorte hat sich vom Image her gut erholt. Jedenfalls finde ich immer seltener die alternative Bezeichnung "Rivaner", die dem Müller wohl ein jugendlicheres Image verpassen sollte.

Um dem Ganzen auch im Social Web Bekanntheit zu verschaffen und ein virales Klickfest zu ermöglichen, hat die Frankenwein-Frankenland GmbH (früher bekannt als die "Gebietsweinwerbung") einen Wettbewerb als Facebook-Event gestartet: Wählt der VOLX-Müller. Die Community soll hier Fotos von gefundenen Müllern zu posten und durch "Likes" für diese abzustimmen.

In unserem eigenen Weingut Wein von 3 haben wir Müller-Thurgau bewusst nicht sortenrein ausgebaut und verwenden auch keine Bocksbeutelflaschen, was auch eine Voraussetzung für nominierte Weine ist. Dennoch hindert mich das nicht den einen oder anderen dort vorgestellten Wein mal zu probieren. Ich werde also mal Ausschau nach ihnen halten…

Links:

VOLX-Müller Eventseite

Müller-Thurgau (Wikipedia)

Wein von 3

Sonntag, 12. Mai 2013

Wein von 3 am Start

Es gibt ihn nun für ALLE (solange der Vorrat reicht): Unseren Wein von 3.

Gestern präsentierten wir die ersten 6 Wein des Weinjahrgangs 2012.

Neugierig?

http://weinvon3.de/

Weinn von 3 Gläser

Mittwoch, 1. Mai 2013

Frühling!

Der Schlossgarten am 1. Mai 2013

Und die Geräusche zum Frühling:

Freitag, 26. April 2013

Kirschblüte im Schlossgarten

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Die Obstbäume blühen im Schlossgarten! Und die Rasen mäh-, Hecken schneide- und Begleitflora zupfen- Saison hat wieder begonnen.

Montag, 25. März 2013

Zeilitzheim Anno 1763

Neulich war erst wieder eine Reenactment-Gruppe bei uns im Schloss, die ein Wochenende lang die Zeit um 1763 nach stellten. Entstanden ist u.a. ein Fotoalbum mit wunderbaren Fotos von Claudia Behnke:

Fotoalbum

Die Gruppe feierte bei Kerzenschein in prächtigen Gewändern den Pariser Frieden (oder feierten sie den Hubertusburger Frieden oder den rund 100 Jahre zurück liegenden Westfälischen Frieden?). Der Freskensaal, in dem sie feierten, war ca. 1735 vom italienischen Maler Giovanni Francesco Marchini ausgemalt worden. Und im gleichen Jahr ihres Festwochenendes spielte Wolfang Amadeus Mozart als sechsjähriger vor der Kaiserin Maria Theresia in Wien.

Links:

Pariser Friede (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/Pariser_Frieden_1763

Hubertusburger Frieden (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/Frieden_von_Hubertusburg

Giovanni Francesco Marchini (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/Marchini

Mittwoch, 20. März 2013

Dirndlschubsen? Nicht bei uns!

Was sich das Qualitätsfernsehen von uns wünscht



Vor Kurzem bekam ich über die üblichen touristischen Kanäle ein Rundschreiben an "Leistungsträger". Gesucht werden Gemeinden und Betriebe, die besondere Veranstaltungen für eine Sonderreihe des Bayerischen Fernsehen liefen könnten. Die Reihe heißt - und das klingt erst mal ganz harmlos - "Bayern feiern - Reportagen über die bayerische Lebensfreude".

Schaut man jedoch genauer auf den weiter geleiteten Aufruf, handelt es sich nicht um einen des Bayerischen Rundfunks (BR) selbst, sondern von einer "Produktionsfirma". Wenn man sich die gewünschten Themen genauer durch liest, wird einem schon klar, warum der BR hier nicht selbst recherchiert:

"Gaudi: Bürostuhlrennen, Dirndlschubsen, Goldgräberfest, Maibaumkraxel-Wettbewerb, Bierfassroll-EM, Kürbisfest, Steinheber-WM, Rasenmäherrennen; Musik und Tanz: Gstanzl-Slam, Almsingen auf der Zugspitze, Brunnensängerfest, Jodelwettbewerb, Sambafestival Coburg, tanzende Bollywood-Kids; Essen: Pichelsteiner-Eintopf-Fest, Käsefestival, Bratwurstfest, Weinfest im beleuchteten Weinberg"


Nichts gegen Käsefestival und beleuchtete Weinberge, aber mit manch anderen Vorschlag war die Anfrage für mich sofort als, sagen wir mal "nicht sonderlich seriös und schon gar nicht erstrebenswert" sofort vom Tisch. Ich löschte bzw. archivierte die Nachricht ohne groß weiter darüber nach zu denken.

Die Vorsitzende unseres Tourismusvereins FWK (Fränkisches Wein- und Kulturland der Gemeinde Kolitzheim e.V.) bat mich jedoch kürzlich die Nachricht, die auch sie erhalten hatte, an die Mitglieder des Vereins zu senden, was ich auch pflichtbewusst tat. Soll halt jede/r selbst entscheiden, was er/sie mit solch einem Mist anfängt. Ach ja, ich vergaß zu erwähnen: Nur wirklich "aussergewöhnliche" Veranstaltungen wie ein Fingerhakl-Wettbewerb dürfen auch ausnahmsweise mal in einem Festzelt stattfinden, denn für die sommerliche Sendung soll wohl so viel wie möglich im Freien aufgezeichnet werden…

Ich tat also meine Pflicht und bekam sogar eine "positive" Rückmeldung (ich bat die entsprechende Person sich direkt an die Produktionsgesellschaft zu wenden). Ich bekam aber auch eine kritische Reaktion von einem anderen Vereinsmitglied, das mir schrieb:

“Na ja, wenn man sich die Anfrage des Rundfunks durchliest: da haben wir ja rein gar nichts zu bieten. Weil wir auch so was Niveauloses nicht machen. Bürostuhlrennen, Dirndlschubsen, Pichlsteiner Eintopffest - dass ich nicht kotze. Und 300 Leute sollen sich den Schmarrn vor Ort für die Aufzeichnung ansehen? Da sollte sich auch der FWK zu schade sein.”


Wer das mutige und weise Mitglied ist, das mir wagt so offenmutig und kritisch zu schreiben? Meine eigene Mutter! Sie hat recht. Das ist Mist. Und ich hoffe, dass wir uns in unserer kleinen Weinbaugemeinde mit mehr und interessanterem als "Dirndlschubsen" noch beweisen können. Vor allem wenn das öffentlich-rechtliche Qualitätsfernsehen Bayerischer Rundfunk im Spiel ist.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Von "александр шлоссе" und "Wein von 3"

Weinbergsstickel - Wein von 3


Suchbegriffe, die Menschen auf die Webseite des Schlosses geführt haben - Teil 7:



der garten

… ist eines meiner Lieblingsprojekte im Schloss und ein Ort, an dem ich mich (vor allem im Sommer mit dem Buchsschnitt und der Rasenpflege) auch sehr viel aufhalte.


förderverein schloss zeilitzheim

Ja, bitte, werden Sie Mitglied im Förderkreis Schloss Zeilitzheim e.V. und unterstützen Sie dessen Ziele der Denkmalpflege und der Kulturpflege.


geschichte der putten

Welcher Putten, bitte, im Speziellen? Im Schloss haben sich einige versteckt.


http://www.barockschloss.de

Ja, das ist unsere Domain. Der Besucher muss wohl noch einen etwas älteren Web Browser verwenden, der das Suchfenster nicht gleich in die Browserzeile integriert hat.


pension in gernach

Im Kolitzheimer Ortsteil Gernach ist mir keine Pension bekannt. Es gibt aber Pensionen vor allem in Zeilitzheim und Stammheim.


schloss wein franken

Die Verbindung zum Wein hat im Barockschloss Zeilitzheim eine große Tradition, die wir gerade mit dem eigenen Weingut wieder aufleben lassen.


telefon schloss zeilitzheim zimmer

Ob jemand nur heraus finden möchte, wie er uns wegen einer Zimmeranfrage erreichen kann? Tel. 09381-9389. Allerdings sind wir telefonisch oft schwer erreichbar, bei den weiten Wegen im Schloss. Daher am besten gleich eine E-Mail senden. Die erreicht uns auch unterwegs. In den Hotelzimmern stehen jedenfalls keine Telefonapparate.


überherrn

Das sagt mir in diesem Zusammenhang jetzt gar nichts. Ob Nietzsches Übermensch gemeint ist?


ubernachtung von 18 eur

… die gibt es bei uns nicht. Vielleicht sollte es der Webseitenbesucher lieber auf dem Campingplatz versuchen?


wein von 3 barockschloss zeilitzheim

Da weiss ja schon jemand etwas über den offiziellen Namen unseres Weingutes, den wir erst kürzlich veröffentlicht haben.


zeilitzheim alte wirtschaft

Mit alter Wirtschaft könnte das Handwerk gemeint sein. Vermutlich suchte dieser Besucher jedoch nach alten Dorfgasthäusern (im Volksmund "Wirtschaft"). Davon gibt es gleich drei im Dorf. Hinzu kommen nun langsam neue, aktive Wirtschaften, wie etwa das Wochenend-Restaurant im Weinhof Herbert.


zeilitzheim eine fränkische dorfgeschichte

Zeilitzheim hat eine interessante und bewegte Geschichte, nicht nur wegen des für einen solch kleinen Ort recht imposanten Schlosses. Auch das Handwerk hat eine starke Tradition im Dorf. Darüber und über vorhandene und ehemalige historische Gebäude kann man an den im Dorf aufgestellten Tafeln des Dorfrundgangs einiges lernen.


zeilitzheim vineyard

Es gibt natürlich Weinberge im Weinort Zeilitzheim. Diese liegen etwa auf halber Strecke jeweils zu den Dörfern Obervolkach und Gaibach und gehören zur Lage "Zeilitzheimer Heiligenberg" (Großlage Volkacher Kirchberg).


александр шлоссе

Ja, in diesem Schloss gibt es einen Alexander. Das bin ich. Wie kann ich behilflich sein?


Alle Beiträge aus Serie "Suchbegriffe, die ins Schloss führten":



http://zeilitzheim.blogspot.de/search?q=suchbegriffe&max-results=20&by-date=true

Montag, 11. Februar 2013

Bücher, Bücher

Büchermarkt in Zeilitzheim

Beitrag von Marina von Halem:

Seit einiger Zeit treffe ich mich einmal die Woche mit Bernd Schmidtchen, dem Vorsitzenden unseres Förderkreises, und einigen anderen ehrenamtlichen Förderkreismitgliedern in unserem antiquarischen Büchermarkt. Wir sortieren die vorhandenen Bücher, entfernen Dubletten oder unansehnliche Bücher der uns einmal gespendeten Bücher, um Platz zu schaffen für neue. Zweimal im Jahr werden sie zum Verkauf angeboten: beim Ostermarkt und beim Weihnachtsmarkt.

Ich "wirke" in der Abteilung Literatur. So vieles mir Bekanntes geht durch meine Hände, und anderes, dessen "Wert" mir zweifelhaft erscheint; Bücher, die aber dennoch gerne gelesen werden (wurde mir versichert). Etliche Bücher, die hier doppelt und dreifach zu finden sind, stelle ich in unsere Gästezimmer, in denen Gäste ja keinen Fernsehapparat vorfinden, in der Erwartung, dass sie hier und da einmal in ein Buch hineinschauen.

Jetzt, bei dieser Tätigkeit, sind Bücher für mich bzw. für meine Aufgabe eine Mischung von bekanntem Inhalt, Materie und Kommerz (denn wir verkaufen sie ja bei den Märkten wieder). Ich bin sonst gewohnt, Büchern, die mich privat umgeben, einen ganz hohen Stellenwert zu geben. Ich schaue in meine Regale und sehe die Entwicklung meiner Persönlichkeit vor mir, die Themen, die mich ein mal berührten und es meist noch immer tun. Ich setze natürlich da Bücher mit Literatur gleich. Literatur ist nicht dazu da, Berufskarrieren zu begründen, Gartenbau zu lernen oder Kochrezepte vorgestellt zu bekommen (na gut; schön, wenn man lesen kann und von solchen Büchern guten Gebrauch machen kann). Literatur ist auch keine Flucht vor der Wirklichkeit. Sie ist eine Gegenwirklichkeit, eine "eigentliche" Wirklichkeit, wie manche sagen.

Iris Radisch (DIE Zeit, 11.12.2003 - Link siehe unten) schreibt:

"Gute Bücher erklären und öffnen uns die Welt, wie niemand sonst es vermag. Sie schärfen unseren Möglichkeitssinn, verfeinern unser Gehör, bilden unseren Geschmack. Sie zerreißen den Panzer aus Konvention und Banalität, der uns umgibt. Gut geschrieben ist immer auch gut gedacht: Niemand, der heute Tolstoj gelesen hat, wird sich morgen mit den Phrasen eines sprachdebilen Medienkapitalismus abspeisen lassen. … Lesend können wir die Welt erkennen. Die andere Welt, die, in der nicht alle Zeiger auf Geld gestellt sind. Und das ist - obwohl die meisten guten Bücher schlecht ausgehen - ein großes Glück. Nimm und lies!"


Seit Jahren leite ich einen Literatur-Gesprächskreis an der Volkshochschule im nahegelegenen Volkach. Wir lesen, wir sprechen, wir atmen die Luft von Welten, die uns die Literatur erschließt. Soeben lasen wir Kurzgeschichten der Kanadierin Alice Munro. Diese Geschichten gehen fast alle schlecht aus: Ganz leise schleicht sich die Katastrophe ein. Und wir können nicht sagen: "Wie gut, dass es uns nicht betrifft". Es betrifft uns, wenn wir sehr ehrlich sind. Es betrifft die Menschen, die uns umgeben. Es stammt aus unserer Gegenwart.

So arbeite ich also in zwei Richtungen: einmal sortiere ich in unserem großen Saal des Gasthauses "Zur Sonne", derzeit Bücherladen, Bücher aus (ich will nicht sagen, dass ich sie entsorge), und auf der anderen Seite suche ich im Internet oder dem Feuilleton großer Zeitungen Literatur, zeitgenössische möglichst, die sich für unseren Literaturkreis eignen würde. Spannend. Ich liebe es.

Das könnte Dich auch interessieren:



Artikel Iris Radisch - DIE ZEIT 11.12.2003: http://www.zeit.de/2003/51/01__Leiter_2

Loslassen lernen (Blogartikel vom 14.11.11): http://zeilitzheim.blogspot.de/2011/11/loslassen-lernen.html

Sonntag, 10. Februar 2013

In Gedenken an Schlosskater Emilio

Unser Schlosskater Emilio (15) ist in der Nacht zum Samstag gestorben. Sein Halbbruder Charly, der neulich auch eine schwere Bronchitis hatte, ist jedoch wieder wohl auf. Wir trauern um Emilio, der in den vergangenen 15 Jahren, seit ich ihn und Charly im Mai 1998 kurz nach meiner Rückkehr nach 11 Jahren in den USA von einem Bauernhof in Laub bei Prichsenstadt ins Schloss holte. Er wird uns allen sehr fehlen.

Samstag, 9. Februar 2013

Nachrichten aus unserem Weingut

Barriquefässer Wein von 3


Während hier im @barockschloss Blog schon länger nichts mehr über unser Weingut zu lesen war, ging die Arbeit hinter den Kulissen munter weiter. Der Wein des ersten Weinjahrgangs 2012 hat sich prächtig entwickelt und steht (teilweise) schon kurz vor der Abfüllung. Die Paletten mit Flaschen wurden bereits angeliefert.

Nun stehen wir drei Weinmacher (Alexander, Heiko und Christian) wieder draussen im Weinberg beim Rebschnitt, um die Weichen für den Jahrgang 2013 zu stellen.

Hinter den Kulissen laufen auch die Vorbereitungen für den Verkaufsstart im Mai (Gestaltung der Etiketten, Geschäftspapier, Versandmaterialien etc.). So stellen wir schon häppchenweise Elemente unseres Corporate Designs auf unserer Facebookseite vor. So haben wir den offiziellen Namen des Weingutes "Wein von 3" und (einen Teil) des Logos dort durchsickern lassen. Wer (zu Recht!) ein wenig neugierig ist: Bitte auf der folgenden Facebookseite auf "gefällt mir" clicken. Ihr werdet dort dann rechtzeitig informiert, wann es richtig los geht und es den ersten Wein auch zu verkosten gibt!

https://www.facebook.com/weinvon3

Mittwoch, 30. Januar 2013

Die Namen der Gästezimmer im Schloss

Beitrag von Marina von Halem:

Eines Tages brachte uns die Kommunikationswissenschaftlerin Daniela Kuhlmann auf die gute Idee, die Nummern an den Gästezimmertüren durch Namen auszutauschen. Zuerst kamen fränkische Künstler der Spätgotik und des Barock dran: Albrecht Dürer, Veit Stoß, Matthias Grünewald, Lucas Cranach (der übrigens mein Ahnherr ist), Tilman Riemenschneider, Balthasar Neumann. Dann einige Frauen, die mich beeindrucken: Maria Sibylla Merian, Bettina von Arnim, Gabriele Münter. Und Namen bedeutsamer Personen wie Beatrix von Botenlauben (auch Bodenlauben) und Argula von Grumbach.

Beatrix und ihr Mann Otto von Botenlauben (ca. 1177 - 1245, bekannt als Minnesänger und dargestellt in der Manessischen Handschrift) stammten aus alter fränkischer Adelsfamilie. Sie kehrten nach einer Pilgerreise von Jerusalem heim und führten ein frommes Leben in Armut und Demut. In Frauenroth ist ihr wunderschöner Grabstein aus dem frühen 13. Jahrhundert.

Argula von Grumbach (1492 - ca. 1568) war die Schlossherrin in dem mittelalterlichen Vorgängerbau des heutigen Schlosses Zeilitzheim. Sie griff in Wort und Schrift in die vorreformatorischen Auseinandersetzungen ein. So kam es auch, dass Zeilitzheim sich sehr früh der „neuen Lehre“ zuwandte. Argula von Grumbach soll in Zeilitzheim beerdigt sein. Ein Gedenkstein am evangelischen Pfarrzentrum erinnert an sie.

Bettina von Arnim (1785 – 1859) entwickelte sich literarisch und politisch erst nach dem Tod ihres Mannes Achim von Arnim. So engagierte sie sich während einer Cholera-Epidemie bei sozialen Hilfsmaßnahmen in den Armenvierteln von Berlin, sammelte und veröffentlichte in ihrem “Armenbuch” statische Angaben über die Situation der Armen, kümmerte sich um die politische Gleichstellung von Frauen und von Juden. Ihr Werk „Dies Buch gehört dem König“ zeugt von ihrem Mut und ihrer Zivilcourage. Aber sie war auch eine sehr extravagante Person, was ihr viel Kritik eingetragen hat.

Auch andere Zimmer erhielten die Namen von Menschen, die mit der Baugeschichte des Schlosses in Zusammenhang stehen: Fuchs von Bimbach, Wolf von Wolfsthal, oder die in unserer Umgebung von historischer Bedeutung waren wie Echter von Mespelbrunn, oder die sich als Künstler hervorgetan hatten, bevor das Schloss in Zeilitzheim gebaut worden war, wie Walter von der Vogelweide. Und dann ehrten wir - wie oben schon erwähnt -die Sterne der fränkischen Kunst um 1500: Tilman Riemenschneider, Lucas Cranach, Veit Stoß, Albrecht Dürer. in den meisten Zimmern hängt ein Bild, liegt ein Buch über sie zur Ansicht für unsere Gäste.

Über den Heros der Barockarchitektur, Balthasar Neumann (1687 - 1753), brauche ich hier nichts zu sagen, außer dass er Zeilitzheim des öfteren passierte auf seinen Fahrten von Würzburg zu seiner Glasfabrik in Fabrikschleichach im Steigerwald und für „unseren“ Kardinal Damian Hugo von Schönborn einen Kirchensaal entwarf und ihn bei seinen Umbauplänen beriet. (Der eigensinnige Kardinal hörte aber nicht immer auf ihn. Z.B. setzte Damian Hugo in seiner neuen Zimmerflucht die Kamine und Öfen mittig in die Zimmer statt in die Ecken, wie es zu der Zeit üblich war und wie Balthasar Neumann es empfahl).

Dann fiel mir auf, dass unter den oben Genannten außer Argula von Grumbach keine weitere Frau war. So wählte ich Künstlerinnen aus, die ich bewunderte: Gabriele Münter, die Gefährtin von Kandinsky und wunderbare expressionistische Malerin aus Oberbayern; Maria Sibylla Merian, die im 17. und frühen 18. Jahrhundert ganz selbständig lebte und ein großes Werk von naturgetreu dargestellten Blumen und Insekten malte, die sie auf einer Reise nach Surinam (Südamerika) zwei Jahre lang studierte.

Hintergrundinformationen (aus Wikipedia) zu den Namensgebern für unsere Zimmer:

Otto von Botenlauben: http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Botenlauben

Argula von Grumbach: http://de.wikipedia.org/wiki/Argula_von_Grumbach

Bettina von Arnim: http://de.wikipedia.org/wiki/Bettina_von_Arnim

Fuchs von Bimbach: http://de.wikipedia.org/wiki/Fuchs_von_Bimbach

Wolf von Wolfsthal: http://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_von_Wolfsthal

Julius Echter von Mespelbrunn: http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Echter_von_Mespelbrunn

Walther von der Vogelweide: http://de.wikipedia.org/wiki/Walther_Von_Der_Vogelweide

Tilman Riemenschneider: http://de.wikipedia.org/wiki/Tilman_Riemenschneider

Lucas Cranach: http://de.wikipedia.org/wiki/Lucas_Cranach_der_%C3%84ltere

Veit Stoß: http://de.wikipedia.org/wiki/Veit_Sto%C3%9F

Albrecht Dürer: http://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_D%C3%BCrer

Balthasar Neumann: http://de.wikipedia.org/wiki/Balthasar_Neumann

Damian Hugo von Schönborn: http://de.wikipedia.org/wiki/Damian_Hugo_Philipp_von_Sch%C3%B6nborn-Buchheim

Gabriele Münter: http://de.wikipedia.org/wiki/Gabriele_M%C3%BCnter

Maria Sibylla Merian: http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Sibylla_Merian

Sonntag, 6. Januar 2013

Der Retter von Assisi

Valentin müller gedenkstein 

Dem "Retter von Assisi" ist in Zeilitzheim ein Gedenkstein gesetzt. Warum? Er war Zeilitzheimer. Also zumindest derjenige Retter, der Arzt und Oberst der deutschen Wehrmacht war und als solcher ab September 1943 Stadtkommandant der italienischen Stadt Assisi. Er sorgte damals dafür, dass Assisi zum Lazarettzentrum erklärt wurde und somit nicht mehr angegriffen werden durfte.  

Der 1891 in Zeilitzheim geborene Dr. Valentin Müller genoss noch zu Kriegszeiten hohes Ansehen bei der örtlichen Bevölkerung von Assisi und den Partisanen dort - was schon etwas heißen will. Man empfing ihn und seine Familie dort 1950 - laut unten verlinkten Wikipedia Artikel - wie einen Helden.
 
Was bedeutet diese Geschichte für uns? Nun, ja. Sie kann vieles bedeuten. Für jeden etwas anderes. Aber viele von uns werden darin sehen, wie Überzeugung - egal welcher Art, solange sie Anstand und goldene Regeln als Ursprung hat - dafür sorgen kann, dass wir - egal aus welcher Herkunft - etwas bewirken können. Ein Dorf wie Zeilitzheim dankt es Jahrzehnte später seinem "Ehrenbürger" Valentin Müller, auch - oder gerade weil - das Dorf auch nicht gerade eine rühmliche Geschichte im Umgang mit verfolgten Menschen (z.B. den aus Zeilitzheim durch Vertreibung und Mord fast gänzlich ausgelöschten ehemals jüdischen Mitbürgern) hat.
 
Erinnern hilft. Das Erinnern an Ruhmestaten ehemaliger Bürger und auch das Erinnern an die von uns ausgegrenzten und ausgelöschten Bürger. Was wir ihnen weg genommen haben sehen wir im Dorf tagtäglich - wenn wir bereit sind hin zu sehen. 
 
Es gibt aber eben durchaus rühmliche Töchter und Söhne des Dorfes. Hoffen wir, dass die Besten noch geboren werden!
 
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