Donnerstag, 15. November 2012

Antonio Petrini und Zeilitzheim

Dass man in Franken um 1670/80 noch im Renaissance-Stil dachte und baute, kann man vielen Bauten ansehen, auch dem Schlossbau in Zeilitzheim, den ein lokaler Baumeister aus Zeil am Main mit Namen Andreas Kessler von 1679 bis 1683 erstellte: Eine Vierflügelanlage mit einem arkadengeschmückten Innenhof. Der einzige Schmuck: ein Portal, bei dem ältere Bauteile wiederverwendet wurden, sehr kräftig und recht einfach. 

Der Bauherr des Zeilitzheimer Schlosses war Philipp Gaston Wolf von Wolfsthal. Er war weise genug, die Pläne seines Baumeisters nach Würzburg zu schicken. Dort hatte sich der aus der Gegend von Trient stammende Italiener Antonio Petrini als führender Festungsbaumeister und Barockarchitekt etabliert. Eine Reihe von mächtigen Bastionen und Torhäusern hatte er bereits gebaut sowie den Auftrag für die Stiftskirche Haug in Würzburg erhalten (ab 1670) und bald darauf auch für den für die Stadtkirche in Kitzingen, die "Petrini-Kirche". Petrini "richtete" die Zeililtzheimer Pläne "in Form" und versah die Scheitel jeder der zwei großen Torbögen, von denen heutzutage nur einer seitlich in den Innenhof führt, mit seinem "Markenzeichen": einer großen männlichen Laubmaske. (Das andere Tor wurde später zugemauert, hat aber noch die Torummauerung und die Petrini-Maske in seinem Scheitel).

Petrini hat eine große Zahl von privaten Häusern und Adelshöfen gebaut. Schloss Seehof gehört zu seinen Werken und das Juliusspital, das allerdings dann von Greising vollendet wurde, sowie eine stattliche Reihe von Kirchen im Würzburgr Umland. 

Die Stadt Würzburg vergibt als Ehrung dieses bedeutsamen Architekten alle zwei Jahre den Petrini-Preis.
 
Schloss Zeilitzheim zeichnet sich aus durch eine klare, harmonische Anlage. Die immer gleichen Stilelemente sind ein feiner Stuckdekor an fast allen Decken, sogar im Außenbereich unter den Arkaden, schön geschwungene schmiedeeiserne Fenstergitter und das schon erwähnte kräftige Portal an der Nordseite.
 
Die Säle und Zimmer im Schloss Zeilitzheim bekamen im Laufe der Jahre Namen, die an frühere Besitzer des Schlosses erinnern oder an fränkische Künstler. Einem Raum, der erst im Jahre 2000 restauriert und verwendbar wurde, gaben wir den Namen "Petrini-Saal".

Marina von Halem

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Blogartikel zum Stichwort Geschichte: http://zeilitzheim.blogspot.de/search/label/Geschichte

Antonio Petrini (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Petrini

Antonio Petrini Preis der Stadt Würzburg: http://wuerzburgwiki.de/wiki/Antonio-Petrini-Preis
 
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