Mittwoch, 13. Juni 2012

Die Kapelle, die keine Kirche (mehr) ist

Neuer Name für Frühstücksraum im Schloss gesucht



Seit einiger Zeit grübeln wir familienintern darüber nach, welchen Namen wir unserer "Kapelle" geben sollen, die eben keine Kapelle ist. Aber erst mal ganz von Vorne.


In der Kirchenbeschreibung der katholischen Dreifaltigkeitskirche zu Zeilitzheim (Text von Karl-Heinz Rothe) heißt es:


Über die älteste Kapelle in Zeilitzheim berichtet nur das so genannte "Rathausglöcklein", das sich im Turm der evangelischen Kirche befindet und den vier Evangelisten geweiht ist. Es trägt die Jahreszahl 1319. Die seit der Reformation evangelische "Sigismund-Kirche" wurde im Jahre 1451 erbaut. Graf von Wolfsthal errichtete um 1700 wieder eine katholische Seelsorgekuratie und im Jahre 1737 stellte der Graf v. Schönborn den Jagdsaal in seinem Schloß der katholischen Pfarrgemeinde als Kapelle zur Verfügung. Durch den Verkauf des Schlosses und den Unstimmigkeiten mit dem neuen Besitzer, Herrn Steiner, entschloß sich die katholische Kirchengemeinde für den Neubau einer katholischen Kirche.


So lag die Entscheidung der Kirche, aus dem Schloss auszuziehen, zeitlich noch vor der Erwerb des Schlosses durch meine Eltern im Jahre 1979. Der Bau der neuen Kirche war zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht ganz abgeschlossen, so dass die Gottesdienste bis zur Weihe der modernen Kirche in Zeilitzheims "Siedlung" im Jahre 1980 noch im Schloss stattfanden.


An den alten Überbleibseln der Schlosskirche (Vertäfelung, Patronatsgestühl, Kirchenbänke) waren weder die katholische Kirchengemeinde noch das Bischöfliche Ordinariat damals interessiert und ließen diese im Schloss (die Seiffert-Orgel, Beichtstühle und das Altarbild wurden in die neue Kirche integriert, einer der Glocken in dem von der neuen Kirche räumlich getrennten “Kirchturm” verwendet). Meinem Vater, Hilmann von Halem, schwebte damals vor, mit den vorhandenen Restbeständen als Grundstock eine Schlosskapelle einzurichten. So lagerten sie Jahrzehnte lang in dem Raum, der mal Teil der Kirche im Schloss war (dieser Raum wurde vom Jagsaal wieder mit einer Zwischenwand getrennt, um die ursprünglichen Raumverhältnisse herzustellen). Und seither hieß dieser überfüllte, wüste Lagerraum bei uns nur "die Kapelle", was bei nicht Eingeweihten öfter mal zu Verwunderung führte.


Mit der Zeit wurde uns klar, dass wir eine Kapelle im Schloss nicht mehr einrichten würden. Zeilitzheim hat schließlich schon drei Kirchengebäude für 750 Einwohner (die alte, evangelische Kirche am Marktplatz, die moderne katholische Kirche des Schweinfurter Architekturbüros Blenk in der Siedlung und die Friedhofskapelle). Im Zuge des 5. Restaurierungsbauabschnittes im Jahre 2000 räumten wir die "Kapelle" also aus. Sie wurde statisch saniert und restauriert, verputzt und gestrichen und - wie bereits im Jagdsaal daneben - mit einem Dielenboden aus Lärchenholz ausgestattet. Im April 2000 kamen dann die Wandblaker von der leider nicht mehr existierenden Kunstwerkstatt Nova Silesia von Katharina von Wrede, Schloss Sandsee, und wurden montiert.


Durch diese Umbaumaßnahmen war die Kapelle ein am Morgen lichtdurchfluteter Frühstücksraum geworden der - gerade in der kälteren Jahreszeit - sehr praktisch ist, wenn das Hotel nicht voll belegt ist, weil wir dann den großen Jagdsaal nicht heizen müssen. Ein überdimensional großer Heizkörper der modernen Zentralheizung sorgt im Frühstücksraum für schnelle Wärme. Optisch wurde der Raum durch die von Familie Dehio geschenkten historischen Stiche von Schlesien, der Heimat meiner Mutter, Marina von Halem (geb. von Richthofen) und Halemsche Ahnenportraits aufgewertet.


Auch ist die “Kapelle” durch eine breite Tür aus der Bauzeit des Schlosses im 17. Jahrhundert mit dem großen Festsaal verbunden und ist eine ideale Erweiterung bei Feiern als Buffet-Raum oder als zusätzlicher Tanzsaal. Vor einigen Jahren wurde dann eine Abluftanlage in die Decke der "Kapelle" eingebaut, was gerade bei dieser Nutzung als Tanzsaal sehr nützlich ist.


Heute erinnert an die frühere kirchliche Nutzung nur noch das Glockentürmchen (leider ohne Glocken), die Löcher in der Decke des Jagdsaales, durch die früher die Glockenseile führten, und der Blasebalg der alten Orgel auf dem Dachboden.


Wir sind, wie eingangs erwähnt, mit dem Namen “Kapelle” oder “ehemalige Kapelle” nicht glücklich, wollen die ehemalige kirchliche Nutzung jedoch auch nicht unter den Teppich kehren. Hat von unseren Lesern, vielleicht gerade diejenigen, die das Schloss und den Frühstücksraum kennen, jemand eine Idee, wie wir diesen künftig nennen sollten? Einfach nur Frühstücksraum? Oder - wie bei den Gästezimmern - den Namen einer historischen Persönlichkeit geben? Falls ja, bitte in den Kommentaren oder per E-Mail!


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